Mit dem Fahrad von Kraków (Krakau) nach Kiev auf dem „Erlebnisradweg VIA REGIA – Kulturstraße des Europarates“

Der zweite Teil der VIA REGIA Radtour der Sportsko RadHeinze hat begonnen - im vergangenen Jahr sind sie von Frankfurt am Main nach Kraków (dt. Karakau) geradelt - dieses Jahr fahren sie mit dem Rad nach Kiev.

Letztes Jahr waren die RadHeinze auf dem „Erlebnisradweg VIA REGIA – Kulturstraße des Europarates“ unterwegs, der regionale deutsche und polnische Radwege von Frankfurt am Main bis nach Krakòw auf einer Strecke von etwa 1200 Kilometern miteinander verknüpft. Der Streckenverlauf orientiert sich dabei möglichst nah an der historischen Route der VIA REGIA.

Die vier Sportsko RadHeinze David Reinmold, Christoph Hohmann, Peter Schwab und Thomas Kolbe machten sich auf mit dem Fahrrad von Krakòw nach Kiev.
Am 07. Juni reisten sie in Kraków an, um am nächsten Morgen zu ihrer ersten Etappe, mit dem Ziel Dębica aufzubrechen.
Dębica ist eine Stadt in der Woiwodschaft Podkapackie (Karpatenvorland) und liegt rund 40 km westlich der Provinzhauptstadt Rzeszów sowie etwa 100 km östlich von Krakau an der Wisłoka. Dębica ist erstmals im Jahre 1293 erwähnt worden. Damals bestand bereits eine Holzkirche. 1358 bekam der Ort das Stadtrecht durch Kazimierz III Wielki (Kasimir der Große) verliehen, 1446 das Recht Märkte und Jahrmärkte abzuhalten. Infolge der ersten Teilung Polens fiel die Stadt an Österreich, damit ging der Verlust des Stadtrechtes einher. Mit dem Bau der Bahnstrecke Lemberg–Wien um 1856 erhielt Dębica Anschluss an das Schienennetz. Der dadurch einsetzende Aufschwung führte schließlich 1914 zur Wiedererlangung des Stadtrechts. Seit 1918 gehört die Stadt zum wiedergegründeten Staat Polen. 1937 wurde sie Sitz eines Powiats. Unter der deutschen Besetzung während des Zweiten Weltkrieges wurde für die jüdische Bevölkerung das Ghetto Dębica eingerichtet, um sie von dort aus weiter zu deportieren. Ferner wurde hier der SS-Truppenübungsplatz Heidelager angelegt. Im Krieg wurde die Stadt zu 40 % zerstört. Nach dem Krieg wurde Dębica wiederaufgebaut und hatte bald ungefähr viereinhalbmal so viele Einwohner wie 1939. Sehenswert sind heute u.a. die spätgotische Kirche St. Hedwig und Margaret. Nach einem Brand im 19. Jahrhundert wurde sie renoviert und umgebaut. Der Militärfriedhof wurde während des Ersten Weltkriegs angelegt. Hier befinden sich u.a. die Gräber polnischer Soldaten, die in den Grenzkämpfen des polnisch-sowjetischen Krieges 1918-1920 getötet wurden, die im Kampf gegen die deutsche Wehrmacht im September 1939 gefallenen polnischen Soldaten, hundert polnische Häftlinge, die von den Nazis ermordet wurden, 53 im Jahre 1943 getötete Partisanen, 54 jüdische Häftlinge, die 1944 als „Vergeltung“ erschossen wurden. Ein jüdischer Friedhof und die Synagoge aus dem späten 17. Jahrhundert erinnern an die lange Tradition der jüdischen Bevölkerung in Dębica.




09. Juni. Die Strecke führte die vier unermüdlichen Radler an diesem Tag über Rzeszow und Lancut nach Jarosłav.
Jarosław ist eine Stadt im Südosten Polens in der Woiwodschaft Podkarpackie (Karpatenvorland). Erste Siedlungen an der Stelle des heutigen Jarosław gab es vermutlich bereits in der Bronze- oder Eisenzeit.Die erste urkundliche Erwähnung einer festen Siedlung findet sich 1152. Jarosław gehörte zu dieser Zeit zur Kiever Rus, die Gegend war aber oft zwischen Ungarn, Polen und der Rus umkämpft. Die Stadt mit ihrer Burg lag an einer wichtigen Handelsroute zwischen Rotem Meer und Westeuropa. 1323 erhielt die Siedlung das Stadtrecht, es wurde 1375 nach Magdeburger Recht geändert. Die Eroberungen Kasimirs des Großen fügten die Stadt 1340 in das polnische Königreich ein. 1387 wurde die Stadt Eigentum der Familie Tarnowski, die Bedeutung der Stadt stieg, Handwerk und Handel blühten auf. Damals entstanden auch das Rathaus, das Schloss und eine Kirche. Im 15. Jahrhundert wurde eine Pfarrschule eröffnet, 1523 ein Schutzwall mit Wachturm angelegt. Das 16. und beginnende 17. Jahrhundert war die Blütezeit der Stadt. Bis zu 30.000 Menschen besuchten den jährlichen Jahrmarkt, über einen kleinen Hafen am rechten Ufer des San betrieb man weitläufig Handel. Der Handelsverkehr schleppte immer wieder Seuchen ein, wohl am schlimmsten war die Pestepidemie im Jahre 1622. 1623 und 1624 verwüsteten heftige Angriffe der Tataren das Umland schwer, Jarosław selbst blieb dank seiner starken Befestigungsanlagen verschont. 1625 zerstörte ein Großbrand weite Teile der Stadt, 300 Menschen kamen um. Zeitgenössische Quellen sprechen von 10 Millionen Złoty vernichtetem Warenwert, was auch die große Bedeutung und der Reichtum der Stadt erkennen lässt. Kämpfe gegen die Schweden, die Kosaken und Türken sowie die häufigen Überfalle der Tataren führten gegen Ende des 17. Jahrhunderts zum Ende der Blütezeit von Jarosław. Im Zuge der ersten Teilung Polens kam die Stadt 1772 unter die Herrschaft Österreichs. Ab 1846 befand sie sich nicht mehr in Privatbesitz und wurde somit Freie Stadt. Der Erste Weltkrieg brachte der Stadt schwere Zerstörungen und den Tod zahlreicher Einwohner, da die österreichisch-russische Front zeitweilig in unmittelbarer Nähe am San verlief. 1918 fiel Jarosław an das nunmehr unabhängige Polen. Der Zweite Weltkrieg begann für Jarosław mit der Bombardierung durch deutsche Flieger. Am 9./10. September 1939 erreichte die deutsche Wehrmacht die Stadt. Im Juli 1944 zogen sich die deutschen Truppen vor der vorrückenden Roten Armee aus der Stadt zurück. 1975 verlor die Stadt ihren Status einer Kreisstadt und wurde Teil der Woiwodschaft Przemyśl. 1999 erhielt die Stadt diese Funktion zurück und kam an die Wojewodschaft Podkarpackie. Aus der Zeit des 16. Jahrhunderts sind in Jaroslaw zahlreiche historische Bauten erhalten und rekonstruiert worden, sodass die Stadt anstrebt, Teil des polnischen Nationalerbes der Architektur zu werden. Neueste touristische Attraktion von Jaroslaw sind unterirdische Gänge aus dem Mittelalter, die als Warenlager und Fluchtorte bei feindlichen Überfällen dienten und die in den letzten Jahrzehnten wieder zugänglich gemacht worden sind.




Am 10. Juni erreichten sie Lviv.
Lviv (dt. Lemberg), die „Stadt des Löwen“, im Osten seit jeher einer der großen Verkehrsknotenpunkte und Handelsstadt an der VIA REGIA, ist seit sehr langer Zeit vom Miteinander mehrerer Völker geprägt und war schon immer ein lebhafter Ort der Begegnung zwischen Ost- und Westeuropa. Bis ins 20. Jahrhundert gab es neben der polnischen Bevölkerungsmehrheit einen großen Anteil jüdischer, ukrainischer, deutscher und armenischer Einwohner, deren kulturelles Erbe das Stadtbild bestimmt. Die Stadt hat die Kriege des 20. Jahrhunderts weitgehend unzerstört überstanden, sodass zahlreiche historische Gebäude des „alten Lviv“ erhalten sind, wodurch die Stadt zu den schönsten Architekturensembles Europas gezählt werden kann. Direkt vor dem Rathaus, über den Marktplatz führt die VIA REGIA durch die Altstadt, die heute zum Weltkulturerbe der UNESCO gehört.




Von Lviv aus führte sie der Weg am nächsten Tag weiter in das 116 Kilometer entfernte Brodi. Hier bekamen sie von ihrem Freund und Partner Vasyl Strilchuk vom Бродівський історико-краєзнавчий музей (historisches Museum Brodi) eine ausgiebige Stadtführung durch die Goldgräberstadt.
In Brodi verlief seit jeher die Grenze zwischen Galizien und Wolhynien. Zwischen 1772 und dem Ende des Ersten Weltkriegs war Brodi Grenzstation am nordöstlichen Rande des habsburgischen "Königreichs Galizien und Lodomerien" zu Russland. Nach dem polnisch-sowjetischen Krieg von 1920 wurde Brodi Grenzstadt zwischen Polen und der Sowjetunion. Infolge der vierten Teilung Polens im Hitler-Stalin-Pakt wurde das Gebiet 1939 sowjetisch besetzt, 1941 von der deutschen Wehrmacht erobert und dem Generalgouvernement zugeschlagen. Heute trennt der alte Grenzstreifen inmitten der Ukraine das L“vivsker vom Rivnens“ker Gebiet.




Die Reise ging dann weiter über Dubno nach Rivne, wo sie am 12. Juni ankamen. Rivne ist Hauptstadt der Region Rivnens"ka. Hier treffen der nördlich durch Luc´k und der südlich durch Lviv verlaufende Teil der VIA REGIA wieder aufeinander. Am Scheitelpunkt der Magistrale wuliza Soborna, wo der heutige Verlauf der alten Handelsstraße anzunehmen ist, befindet sich eine riesige unierte Kathedrale. Obgleich Rivne im Jahre 1283 erstmals urkundlich erwähnt wurde und im 16. Jahrhundert bereits ein bedeutendes Handelszentrum war, gibt es nicht allzu viele Möglichkeiten, in der Stadt die Spuren einer alten Tradition und einer großen Vergangenheit zu finden. Das älteste Gebäude ist eine kleine Holzkirche aus dem 18. Jahrhundert, die in sowjetischer Zeit mehrmals abgerissen werden sollte, was der Widerstand der Bevölkerung stets verhindern konnte. Rivne hat eine sehr bewegte Geschichte, so gehörte es ab der zweiten Hälfte des 14. Jahrunderts zu Litauen später zu Polen, wurde aber bei der zweiten Teilung Polens im Jahre 1793 Russland zugesprochen. Während des Ersten Weltkrieges und dem darauf folgenden Russischen Bürgerkrieg wurde die Stadt von russischen, deutschen, ukrainischen, bolschewistischen und polnischen Truppen besetzt. Von April bis Mai des Jahres 1919 war Rivne die Hauptstadt der Volksrepublik Ukraine, gehörte aber ab 1921 wieder zu Polen. Als Russland und Deutschland zu Beginn des Zweiten Weltkrieges Polen erneut untereinander aufteilten wurde Rivne an die Ukrainische Sozialistische Sowjetrepublik angeschlossen. Am 28. Juni 1941 eroberten deutsche Truppen die Stadt im Anschluss an die Panzerschlacht bei Dubno-Luzk-Rivne. Daraufhin wurden 23.000 Einwohner jüdischen Glaubens von den Deutschen verschleppt und am 8. und 9. November in einem Wald bei Sosenski erschossen. Lediglich 5000 Juden überlebten zunächst in einem Ghetto. Im Juli 1942 wurden sie nach Kostopil deportiert und von Einsatzgruppen ermordet, die dem Reichsführer SS Heinrich Himmler unterstanden. Während der deutschen Besatzungszeit gehörte Rivne dem Reichskommissariat Ukraine an. Am 2. Februar 1944 wurde Rivne bei der Rowno-Luzker-Operation von der Roten Armee befreit. 1945 fiel die Stadt erneut an die Sowjetunion und wurde wieder der Ukrainischen Sozialistischen Sowjetrepublik zugeteilt. Seit 1991 gehört Rivne zur Ukraine.




Über Korets gelangten die Sportsko RadHeinze am 13. juni nach Nowograd-Wolynskyj.
Nowograd-Wolynskyj ist das Zentrum des gleichnamigen Rajons in der Oblast Schytomyr in der Ukraine mit ca. 56.000 Einwohnern (2005), am Fluss Slutsch gelegen. Die Stadt wurde zum ersten Mal im Jahre 1256 unter Namen Woswjagel erwähnt. Ein Jahr später wurde sie vom galizischen Fürsten Danilo Galitzkij niedergebrannt. Später hieß die Stadt Swjagel. 1795 kam sie unter russische Hoheit und wurde in Nowograd-Wolynskyj umbenannt. Von 1920 bis 1939 hatte Nowograd-Wolynskyj eine wichtige militärische Bedeutung, da sie an der Grenze der Sowjetunion zu Polen lag. Im Zweiten Weltkrieg wurde Nowograd stark beschädigt.
Nowograd-Wolynskij ist der Geburtsort der ukrainischen Dichterin, Dramatikerin und Lyrikerin Lesja Ukrainka (1871-1913).




Fast schon am Ziel ihrer Reise erreichten sie am nächsten Tag Zhytomyr, wo es selbst auf Feldwegen Umleitungsschilder zu bestaunen gab.
Zhytomyr wurde im 7. Jahrhundert von den sesshaft werdenden slawischen Stämmen gegründet und im 9. Jahrhundert zur Stadt ernannt. Ab dem 11. Jahrhundert gehörte Zhytomyr zum Staat der Kiewer Ruß und ab 1320 zu Litauen sowie ab 1569 zum vereinten Königreich Polen-Litauen. Während dieser Zeit siedelten sich hier zahlreiche Juden an. 1648 wurde Zhytomyr für einige Jahre von Bohdan Chmelnyzkyjs Truppen eingenommen. Auch Zhytomyr wurde wie Rivne bei der zweiten Teilung Polens dem Russischen Kaiserreich zugesprochen und zur Hauptstadt des Wohylnischen Gouvernements ernannt. Nach der Oktoberrevolution von 1918 und dem darauf folgenden Russischen Bürgerkrieg war Zhytomyr hart umkämpft. Wichtige Truppenführer dieser Kämpfe zwischen „rot“ und „weiß“ waren Nikolai Alexandrowitsch Schtschors und Grigori Kotowski. 1941 bis 1944 gehörte die Stadt zum Reichskommissariat Ukraine und wurde 1944 nach schweren Kämpfen von der Roten Armee zurückerobert. Südlich von Zhytomyr befand sich von 1942 bis 1944 die deutsche Siedlungskolonie Hegewald. Seit 1991 gehört Zhytomyr zur Ukraine und ist Hauptstadt des Oblast (Bezirk) Zhytomyr. Durch Zhytomyr führen die wichtigsten Verkehrsverbindung von der Ukraine nach Weißrussland, Polen und Deutschland. Im 20. Jahrhundert hat sich die Stadt zu einem industriellen Zentrum entwickelt und beheimatet Maschinenbaubetriebe, sowie Firmen der Textil-, Möbel-, und Lebensmittelindustrie. Zhytomyr ist ein Umschlagsplatz für das in der Region geerntete Getreide und Holz. Außerdem gibt es bedeutende Vorkommen an Marmor, Granit und Labradorit, welche industriell abgebaut werden. Zhytomyr ist aber auch schon immer berühmt für seine Gärten, Parks und grünen Alleen, besonders entlang des felsigen Ufers des Teterew, an dem die Stadt gelegen ist. Sehenswerte Zeugnisse der Baukunst Zhytomyrs sind unter Anderem das einstige Magistratsgebäude aus dem 17. Jahrhundert, die Sophien Kathedrale aus dem 18. Jahrhundert sowie mehrere Museen, zu denen die Korolenko- und die Koroljow-Gedenkstätte zählen.




Nach Makariv fuhren sie am 15. Juni um hier noch einmal einen letzten Halt einzulegen.
Makariw ist eine Siedlung städtischen Typs und Verwaltungssitz des gleichnamigen Rajons (Distrikt), der sich im Westen der Oblast Kiev befindet. Den Status einer Siedlung städtischen Typs hat das 1506 gegründete Makariv seit 1956 inne. Vom 10. Juli 1941 bis zum 8. November 1943 war der Ort von Truppen der deutschen Wehrmacht besetzt. Makariw liegt am Sdwysch, einem 145 Kilometer langen Nebenfluss des Teteriw. In Makariw befinden sich die St. Dimitri-Kirche und ein denkmal für den heiligen Dimitri von Rostow.




Von hier waren es dann nur noch 59 Kilometer nach Kiev, von wo sie schrieben: „Kiew ist erreicht . Eine wunderbare und friedvolle Fahrradtour ist leider zu Ende.“ Sie bedankten sich bei Pfarrer Ralf Haska für die Maidanführung und den „wunderbaren Abend im Kreise seiner Freunde“, bei ihrer SportskoFreundin Olesia Storozhuk für die Stadtführung durch Kiev per Fahrrad und bei Jörg Drescher, dem Chefredakteur des "Projekts Jovialismus" für das persönliche Gespräch auf dem Maidan. „Für den Frieden und die Freiheit Europas“ wollen sie nächstes Jahr an gleicher Stelle weiter machen, mit dem Fahrrad von Kiew nach Moskau.




Weiterführende Links:
Etappenplan der diesjährigen Tour.
Internetauftritt der Sportsko RadHeinze.
Alle Fotoalben der dies- und letztjährigen Radtouren.




Quellen:
Bilder: Sportsko Radheinze
Artikel der deutschsprachigen Wikipedia über Dębica
Reiseführer von Dębica
Artikel der deutschsprachigen Wikipedia über Jarosław
Artikel der deutschsprachigen Wikipedia über Lviv
Artikel der deutschsprachigen Wikipedia über Rivne
Artikel der deutschsprachigen Wikipedia über Nowograd-Wolynskyj
Artikel der deutschsprachigen Wikipedia über Zhytomyr
artikel der deutschsprachigen Wikipedia über Makariw